Philosophie

Häufig führt den Pferdebesitzer der Weg der Erkenntnis nur über viele Versuche und einige Irrtümer zum Ziel und das Ziel heißt heute: Artgerechte Haltung und eine pferdegerechte Reitweise. Während eine artgerechte Haltung vielen Pferde- und Stallbesitzern bereits zur Selbstverständlichkeit geworden ist und zwischen ihnen weitgehende Übereinstimmung herrscht, ist eine pferdegerechte Reitweise kaum bekannt.
Eine pferdegerechte Ausbildungs-Methode und Reitweise - die diesen
Namen wirklich verdient - muss immer zwei Komponente beinhalten:

  • Einmal die strikte Berücksichtigung der anatomischen, vor allem muskulären sowie psychischen Verhältnisse des Pferdes - in die der Reiter sich einfügen muss -
  • zum anderen die Prinzipien der klassischen Reitlehre, da wo sie richtig sind und unabdingbar.   

      
        

Zügelunabhängige Genickbiegung und schöne Selbsthaltung
des Pferdes; energische und raumgreifende Bewegungen.
                         
Die meisten Freizeitpferde werden in einer völlig falsch verstandenen freien Haltung ohne jede Anlehnung geritten - was zwangsläufig zu Problemen führen muss - vor allem im Rücken. Denn bei hohem Kopf ist es biomechanisch unmöglich, das Pferd über den Rücken zu reiten. Bei Vertretern der sogenannten englischen Reiterei und des Turnier-sports fehlt meistens der pferdegerechte Aspekt. In diesem Bereich werden die Pferde oft in einer gewaltsam erzwungenen Genickbiegung und Anlehnung mit herunter- und zusammengezogenen Hälsen geritten (was fatale Folgen hat) - ohne Berücksichtigung der muskulären und auch psychischen Gegebenheiten beim Pferd.

Pferd mit zu hoher Kopfhaltung, weggedrücktem Rücken und nachschleppender Hinterhand.*                               



Das Pferd behält alle diese Merkmale, auch wenn es vorne
mit Hilfszügel "in Haltung" gezogen wird.* 

 

 


Wird das Pferd vorne "hochgehoben" überrollt es sich und
geht weiterhin auf der Vorhand.* 
 

     

Muskeln eines verrittenen oder eines unentwickelten, rohen Pferdes.*

* Diese Bilder stammen aus dem Buch "Springreiten" von Paalmann

Es ist daher nicht zu verwundern, dass laut Statistik in allen Disziplinen ein deutlicher Zuwachs an Krankheiten bei Pferden - vor allem im Wirbelsäulenbereich zu beklagen ist.

Das ist primär darauf zurückzuführen, dass das Pferd aufgrund seiner anatomischen Gegebenheiten keinesfalls ein Lasttier ist, sondern von der Natur als Lauftier konzipiert wurde! In dem Moment wo der Mensch sich auf ein Pferd setzt, verändern sich sofort dessen Verhält-nisse. Die größten Probleme - die sich für jedes Pferd immer sofort einstellen - sind:

  • Das Tragen des Reitergewichtes und
  • das Entwickeln eines völlig neuen Balance- und Gleichgewichtsmusters.

Da das Pferd nicht über von der Natur vorgegebene - instinktive - Verhaltensmuster verfügt, die es befähigen könnten, diese Situation von sich aus zu bewältigen,  muss jedes Pferd erst mühsam lernen, diese Fähigkeiten zu entwickeln.

Das bedeutet für das Pferd:

  • Es muss das Reitergewicht so tragen, dass es durch dieses nicht in seinen natürlichen Bewegungsabläufen gestört ist, -
  • und es muss erst lernen, unter dem Gewicht ausbalanciert zu gehen - zügelunabhängig !

Das kann nur funktionieren, wenn es lernt,

das zusätzliche Gewicht mittels
Nackenband
und Kopf und Hals zu tragen.

Diese anatomisch einzig richtige Tragekonstruktion, die das Pferd hat, kommt nur durch eine korrekte Dehnungshaltung in Aktion. Leider ist die korrekte Dehnungshaltung in ihrer Bedeutung und in ihren Auswirkungen, sowie in ihren unterschiedlichen Formen, in der gesamten Reitliteratur nicht eindeutig definiert.

Vor allem führen die Techniken, die dort vorgeschlagen werden, in den meisten Fällen nicht zu einer korrekten Dehnungshaltung. Das zweite Problem ist das Entwickeln einer völlig neuen Balance. Die Erfahrung lehrt, dass junge Pferde, wenn man sie anreitet, sofort ihr natürliches Gleichgewicht verlieren und daher hin und her schwanken wie "Elbkähne auf hoher See". Das ist höchst unangenehm für Reiter     und Pferd.


Geht man in diesem Fall dann - wie es leider immer geschieht - mit den Zügeln an das Pferdemaul heran und reitet die Pferde in Anlehnung, dann hört des Schwanken auf, weil alle Pferde sofort den Zügel und die Hand als Stütze benutzen - sozusagen als "fünftes Bein", um sich damit zu stabilisieren. Dann hat das Pferd keine Chance mehr, ein zügelunabhängiges Gleichgewicht- und Balancemuster zu entwickeln.


Das Pferd bleibt dadurch abhängig von der Hand des Reiters. Selbst höher ausgebildete Pferde leiden ihr Leben lang unter diesem schwer-wiegenden Manko, das sich immer negativ auf das Gehen des Pferdes und auf alle Lektionen auswirkt.

Die Wissenschaft lehrt und begründet eindeutig, dass eine solche neue, zügelunabhängige Balance nur mit einem losen, wirklich durchhängenden Zügel zu erreichen ist.

        
Der Ausbinder gestattet es dem Pferd nicht, sich mit Kopf und Hals vorwärts-abwärts zu dehnen. Es kann nur rückwärts-abwärts
und muss sich überrollen; die Pferde lernen auf diese Weise nicht, Kopf und Hals zwanglos aus der Schulter heraus fallen zu lassen, damit die einzig mögliche Tragekonstruktion, nämlich Tragen des Gewichtes
mittels Nackenband und Kopf und Hals, aktiv wird, - denn nur so kann der Rücken sich aufwölben und entspannt sein.

Die Frage, die sich jeder ernsthafte Reiter stellen muss lautet:

Wie bekomme ich ein rittiges Pferd?

Ein Pferd, das angenehm, leicht und korrekt im Sinne klassischer Reit-
lehre zu reiten ist und welches durch das Reiten keinen Schaden nimmt - sondern an Schönheit und Ausdruck gewinnt !

Die Voraussetzungen dafür sind immer die Kriterien der Rittigkeit - und diese sind immer:

  1. Das Pferd muss konstant über den Rücken- und Halsbogen gehen
  2. es muss zwanglos durchs Genick gehen;
  3. es muss eine zügelunabhängige Selbsthaltung haben;
  4. es muss sich beidseitig gleichmäßig korrekt biegen lassen;
  5. es muss geradegerichtet sein;
  6. es muss durchlässig sein;
  7. es muss in einer geschlossenen Form gehen können - bzw. sich korrekt versammeln lassen.

Alle diese Punkte sind die Grundlagen der Ausbildung bzw. bilden die Grundausbildung eines jeden Reitpferdes.

Die Naturgerechte Ausbildungs-Methode sieht ihre Aufgabe darin, die Prinzipien der klassischen Reitlehre mit den modernen, wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen über das Pferd und aus der Bewegungslehre, sowie der Tierpsychologie in eine pferdegerechte Übereinstimmung zu bringen.

" Sie ist kein alternatives Reiten, sondern das Ergebnis
folgerichtigen Denkens, das sich aus dem modernen
Wissen über das Pferd logischerweise ergibt."

- Rolf Becher -


Bei Aufrichtung der Vorhand
sind die Folgen immer:

durchgedrückter Rücken - herausgedrückter Unterhals - unnachgiebiges Genick - schleppende Hinterbeine

Schulgerecht korrekte Versammlung aus korrekter Dehnungshaltung heraus: -

das Nackenband und die Nackenmuskeln bleiben gedehnt - und damit der Rücken aufgewölbt, infolgedessen zwanglose Genickbiegung und aktive, weiter untertretende Hinterbeine.

Bei korrekter Dehnungshaltung:

lässt das Pferd den Hals aus der Schulter heraus fallen, infolgedessen aufgewölbter Rücken - nach oben konvexer Halsbogen - mit zwangloser Genickbiegung und aktiven Hinterbeinen.

 *Die Bilder oben stammen aus dem Buch
 "Hohe Schule mit der Doppellonge" von Philippe Karl
 
 

 So trägt ein junges Pferd seinen Reiter im Gleichgewicht:

  • Rücken gerundet,
  • tiefe Kopfhaltung,
  • Reiter über dem Schwerpunkt des Pferdes,
  • Hinterhand aktiv.   

 
*Dieses Bild stammt aus dem Buch "Springreiten" von Paalmann   

Die in der Naturgerechten Ausbildungs-Methode geschulten Pferde,

  • erfüllen alle Kriterien der Rittigkeit,
  • sie haben keine Rückenprobleme,
  • sie gehen völlig zwanglos durchs Genick bei losem bzw. leichtem Zügel,
  • und haben eine Zügel unabhängige Selbsthaltung.


Auch stark verrittene Pferde und solche mit Rückenproblemen erholen sich erstaunlich schnell, wenn sie in diesem System ausgebildet werden.

Sie ist heute ein
vollständiges Ausbildungs-System, das sich in besonderer Weise eignet:

  • für das Anreiten junger Pferde,
  • für die weitere Ausbildung junger Dressur- und Springpferde in den Grundlagen bis Klasse A und L (Anfänger und Leiche Klasse)
  • für die Korrektur von Pferden mit Rittigkeitsproblemen
  • für Pferde mit Rückenproblemen
  • sowie für das Reiten von Freizeit-Pferden


Sie ist eine unbedingt pferdegerechte Ausbildungs-Methode,

  • die auf dezenten Einwirkungen bzw. Signalen beruht,
  • die körperbetont und zügelunabhängig ist,       
  • die wunderbar rittige Pferde hervorbringt,
  • die losgelassen und geschmeidig in korrekter Form gehen

         
Auf solchen Grundlagen läßt sich bis in höchste Klassen und in allen Sparten der Reiterei problemlos alles Weitere aufbauen.

 

Das Pferd geht in einer korrekten, tiefen Dehnungshaltung bei losem Zügel und läßt zwanglos aus der Schulter heraus Kopf und Hals fallen.
Dadurch wölbt sich der Rücken bei zwangloser Genickbiegung auf.


Das sind Voraussetzungen daür, daß die Pferde bei weiterer Gymnasti-
zierung sich allmählich -
 von selber  -  Anheben in eine schöne Selbst-
haltung im horizontalen Gleichgewicht mit
zwangloser Genickbiegung - bei losem Zügel.


Hier haben sich die Pferde aus der tiefen Dehnungshaltung selber angehoben aufgrund vermehrter Gewichtsaufnahme durch die Hinterbeine und Muskelzuwachs - besonders auch am Hals - in eine schöne zügelunabhängige Selbsthaltung - mit zwangloser Genickbiegung bei losen Zügeln - aufgewölbtem Rücken - mit sehr schwungvollen und raumgreifenden Bewegungen.


Hier hat sich das Pferd selber weiter aufgerichtet. Es geht korrekt über den Rücken- und Halsbogen, in einer geschlossenen Form - und auch hier mit sehr schwungvollen und raumgreifenden Bewegungen.

Erfüllen die Pferde alle Kriterien der Rittigkeit, lassen sie sich problemlos aus dem Dressursitz heraus weiter reiten. 


Das Pferd ist auf den Dressursitz umgestellt; es bewegt sich schwungvoll und raumgreifend vorwärts und geht auch jetzt noch bei losem, innerem und leicht anstehendem äußeren Zügel zwanglos durchs Genick und über den Rücken- und Halsbogen.   
 


Das Pferd hat sich etwas mehr aufgenommen; es bewegt sich weiterhin über den Rücken- und Halsbogen bei zwangloser Genickbiegung.  

Anmerkung:
Die alten Meister wussten, dass der Reiter jederzeit in der Lage sein muß, den Zügel punktmäßig und fallweise wieder loszulassen, ohne dass dabei das Pferd seine zwanglose Genickbiegung und Haltung verliert -, sonst ist beides nicht reell.


Die in der Naturgerechten Ausbildungs-Methode ausgebildeten  Pferde heben sich aus tiefer Dehnungshaltung jederzeit von selber wieder in ein horizontales Gleichgewicht an und gehen aus losem Zügel wieder an die Hand heran, so wie der Reiter es wünscht.


Dabei gibt es ein "stramm am Band" grundsätzlich nicht.

Um Ihnen einen klaren Überblick über den Weg der Ausbildung des Reitpferdes zu geben - und um Ihnen ein noch besseres Verständnis zu ermöglichen,  habe ich eine  Bilderfolge  mit erklärendem Text zusammengestellt.

Diese finden Sie in der "Galerie".